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Wie finde ich den passenden Studenten für mein Unternehmen?

Einen Studenten bei Dir im Unternehmen anstellen? Ja oder Nein? Eine wichtige Frage! Einen Studenten bei sich im Unternehmen zu beschäftigen, bedeutet gerade am Anfang ganz klar: Investieren. Es benötigt immer etwas Zeit, bis ein Student eingearbeitet wurde und die Prozesse erlernt hat. Gerade am Anfang wirkt es, als würde der Student bloß Zeit und Geld kosten, ohne dass dieser großartig Verantwortung übernehmen oder selbstständig Aufgaben erledigen kann. Doch gerade Studenten sind sehr aufnahmefähig, neugierig und motiviert, Neues zu erlernen und sobald sie den Dreh heraus haben, sind sie wertvolle Teammitglieder. Die Young Professionals bringen außerdem neuen Wind mit sich und ermöglichen eine moderne Sichtweise auf das Unternehmen und die Aufgaben.

Es kommt des Weiteren ganz darauf an, in welcher Art der Anstellung der Student bei Dir tätig sein soll. Welche Möglichkeiten es gibt und wie die Rekrutierung solcher Studenten aussehen kann, erfährst Du in diesem Artikel.

Wie unterscheiden sich Praktikanten, Werkstudenten und Dualstudenten?

Ein Praktikum ist zeitlich begrenzt und wird meist in Vollzeit ausgeführt. Häufig bleiben Praktikanten 3-6 Monate in einem Unternehmen. Handelt es sich um ein Pflichtpraktikum, haben die Studenten während des Praktikums keine Vorlesungstermine – gegebenenfalls einzelne Module oder Pflichtveranstaltungen. Ein Unternehmen, welches Praktikanten beschäftigt, muss bestimmte Vorschriften einhalten. Teilweise werden diese direkt von der Universität vorgeschrieben. Werden die Vorgaben nicht eingehalten, wird das Praktikum dem Studenten nicht anerkannt. Nicht zu vergessen: es gibt auch gesetzliche Vorschriften, welche in jedem Fall zu berücksichtigen sind. Wir empfehlen Dir, wenn nicht von dem Gesetz anders vorgegeben, Deinen Praktikanten eine kleine Vergütung anzubieten. Es ist ein Zeichen der Wertschätzung und steigert zudem durchaus die Motivation, Leistung zu erbringen.

Informationen zur Vergütung, zum Versicherungsschutz etc. kannst Du gern hier nachlesen: http://www.meinpraktikum.de/bewerbung/praktikumsrecht

Ist das Praktikum in guter Erinnerung behalten worden, bewerben sich Praktikanten gern bei dem Unternehmen als Werkstudent oder nach dem Studium als Festangestellte. Das ist auf jeden Fall auch in Deinem Interesse.

Die Beschäftigung eines Werkstudenten setzt voraus, dass diese/r bei einer ordentlichen Fach- oder Hochschule immatrikuliert ist und dass die Tätigkeit das Studium nicht beeinträchtigt. Dies bedeutet, dass die Vorlesungstermine beachtet werden müssen und dass der Werkstudent während der Vorlesungszeit nicht mehr als 20 Stunden pro Woche arbeiten darf. Während der vorlesungsfreien Zeit, können Werkstudenten jedoch bis zu 40 Stunden pro Woche arbeiten. Viele Studenten sind mehrere Semester lang Werkstudenten beim selben Unternehmen. Der Sinn einer solchen Anstellung ist, dass der Student in einem Bereich tätig ist, welcher fachlich zu seinem Studiengang passt. Sind beide Seiten miteinander zufrieden, lässt sich über eine Übernahme nach Studienabschluss sprechen.

Rechtliche Grundlagen bei der Beschäftigung von Werkstudenten kannst Du hier finden: http://www.lohn-info.de/studenten_werkstudenten_ordentlichen_studierenden.html

Praktikanten als auch Werkstudenten haben eine lockere Bindung zu dem Unternehmen, bei dem sie tätig sind. Entweder, weil ein befristeter Vertrag zugrunde liegt und die Studenten nach absolvierter Arbeitszeit das Unternehmen verlassen, oder weil es leichter und unkomplizierter ist, den Arbeitgeber zu wechseln bzw. es ohnehin im Interesse des Studenten ist, verschiedene Unternehmen kennen zu lernen.

Generell sind Werkstudenten sehr flexibel einsetzbar. Je nach Abstimmung können die Arbeitszeiten, den internen Kapazitäten angepasst werden, wenn dies im Einklang mit den Vorlesungen geschieht.

Dualstudenten sind deutlich stärker und länger an das Unternehmen gebunden. Daher sollte auch die Arbeit inhaltlich zu dem Studiengang passen. Der Student arbeitet das gesamte Studium in einem Unternehmen. Die Arbeitszeiten der Dualstudenten können sehr variieren, da die Universitäten und Hochschulen verschiedenen Modellen nachgehen. Einige Universitäten bieten die Vorlesungen an 2 Tagen pro Woche an. Die restlichen 3 Tage können die Dualstudenten in Teilzeit bei ihrem dualen Partner arbeiten. Dabei handelt es sich um das Wochenmodell. Andere Universitäten gehen dem Blockmodell nach. Hier gibt es für die Dual Studenten 3 Monate intensive Vorlesungszeit und anschließend 3 Monate Vollzeitbeschäftigung bei ihrem dualen Partner – sie werden aber die gesamten 6 Monate bezahlt. Bei Fernuniversitäten oder virtuellen Studien mit keinen oder wenig Präsenzterminen wird sich meist individuell geeinigt.

Im Regelfall übernimmt das Unternehmen die Studienkosten und vergütet die intensive Arbeitszeit des Studenten. Der Student, welcher bereits während seines Studiums seinen dualen Partner kennen gelernt hat, findet nach dem Studium direkt den Anschluss in die Berufswelt und muss sich nicht in das Chaos der Massenbewerbungen werfen.

Wie rekrutiere ich zu meinem Unternehmen passende Studenten?

Aber wie kommt Dein Unternehmen an die am besten passenden Studenten heran? Generell sei gesagt, dass es sich in jedem Fall lohnt, auf sich aufmerksam zu machen. Warum sollte sich ein Student bei Dir bewerben, wenn er keinen Hinweis darauf findet, dass Du studentische Unterstützung suchst? So kannst Du zum Beispiel den Career Service der Universitäten nutzen oder offene Positionen gezielt in Jobbörsen mit der Zielgruppe Studenten veröffentlichen. Achte dabei auch auf den Studienverlauf. Die wenigsten Bewerbungen gehen während der Prüfungszeit ein, während sich jedoch in den Semesterferien eifrig beworben wird. Neben den Jobbörsen kannst Du auch die sozialen Netzwerke nutzen, um auf Deine Stelle aufmerksam zu machen.

Mit zeitlichem Vorlauf zum Praxissemester sind die Studenten selbst aktiv auf der Suche und bewerben sich bei verschiedenen Unternehmen. Auch hier empfehlen wir passende Jobbörsen wie zum Beispiel: https://www.jobware.de/Praktikum/.

Unser Recruiter-Tipp: Reagiere zeitnah auf die Bewerbungen. Viele Studenten bewerben sich bei 10 Unternehmen gleichzeitig. Schnelle positive Rückmeldungen lohnen sich!

Bis zu diesem Stand im Semester haben sich bereits viele Studenten einen Account bei Xing oder LinkedIn erstellt. Auch hier gibt es die Möglichkeit, Praktika auszuschreiben und das Interesse auf sich zu ziehen.

Generell, sollten die Anforderung nicht zu streng sein und eher offener gehalten werden. Natürlich gibt es Ausnahmen, wenn zum Beispiel hygienische Vorschriften eingehalten werden müssen und der Praktikant ein Gesundheitszeugnis benötigt oder andere spezielle Qualifikationen wie eine bestimmte Führerscheinklasse die Voraussetzung ist.

Ähnlich wie bei Praktikanten findest Du Deine Werkstudenten auf ähnlichen Plattformen und Jobbörsen. Über https://de.indeed.com/ konnten wir bereits mit einer zeitlich günstig geschalteten Stellenanzeige, viele Bewerbungen von interessierten Werkstudenten für unseren Kunden generieren. Aber auch wir durften die Erfahrung machen, dass zur Klausurzeit leider wenig passiert. Was für die Praktikanten gilt, gilt größtenteils auch für die Werkstudenten. Generell sind Gehaltsangaben in Stellenanzeigen in Deutschland unüblich – das muss jedes Unternehmen für sich selbst entscheiden. Dennoch sei gesagt, dass die wenigsten Studenten sich mit dem Mindestlohn locken lassen. Mindestens 10 Euro die Stunde sollten gezahlt werden.

Bei Dualstudenten sind Unternehmen in einer Luxus-Situation. Denn hier reißen sich die Studenten um die Position. Gerade als Partner von Hochschulen und Universitäten steht Dein Unternehmen auf einer Referenzliste hoch in der Aufmerksamkeit. Die Bewerbungsphasen dauern hier auch etwas länger und es gibt deutlich mehr Bewerbungsschritte als bei Praktikanten oder Werkstudenten. Interessierte Studenten bewerben sich ca. 1 Jahr vor Studienbeginn bei den Unternehmen. Dabei erhalten gerade große Unternehmen wie die Deutsche Bahn und die Volksbank Raiffeisenbank teilweise über 100 Bewerbungen für nur eine einzige Position. Aber auch kleine Unternehmen sind sehr beliebt und können bis zu 50 Bewerbungen erhalten. Bei den Bewerbern handelt es sich meist um Abiturienten oder Auszubildende, welche noch in der Abschlussphase oder gerade fertig geworden sind, bzw. sich zwischen Abitur und Studium ein Jahr Zeit lassen, für Auslandsaufenthalte, Reisen, Praktika o. ä.. Das bedeutet in vielen Fällen, dass diese Bewerber bis auf das Abiturzeugnis kaum etwas vorzuweisen haben. Je nach Studiengang variieren hier auch die Themenfelder, welche abgefragt werden.

Die Deutsche Bahn bietet Interessenten einen ersten kleinen online Eignungstest: https://karriere.deutschebahn.com/de/de/bewerbung/bewerben-als-schueler/bewerbungsverfahren-studium/auswahlverfahren-studium-onlinetest/

Aus den Bewerbern mit einem guten Ergebnis in der Case Study wird weiter selektiert und für die nächste Runde eingeladen. Der vorletzte oder letzte Schritt ist meist ein Assessment Center. Gängig sind Selbstpräsentationen, eine Einzel- und eine Gruppenaufgabe. Ein solcher Bewerbungsprozess ist natürlich viel intensiver und aufwendiger für beide Seiten. Bewerber für duale Studiengänge sind sich bewusst, dass es schwer und zeitintensiv ist, einen solchen Platz zu erlangen. Auch für sie geht es um sehr viel. Denn logischerweise werden Studenten ohne dualen Partner für duale Studiengänge abgelehnt und sie müssen sich etwas anderes suchen. Der Sinn dieses intensiven Bewerbungsprozesses ist daher nicht nur, dass Dein Unternehmen den Studenten kennenlernt, sondern auch der Student Dein Unternehmen kennenlernt. Sollte dieser nun sein gesamtes Studium bei Dir im Unternehmen verbringen, muss er wissen, worauf er sich einlässt.

Fazit

Es gibt bedeutende Unterschiede bei der Beschäftigung und Rekrutierung von Studenten. In jedem Falle solltest Du auf Deine Sichtbarkeit achten und überlegen, passende Kooperationen mit Hochschulen und Universitäten einzugehen. Je intensiver die künftige Zusammenarbeit, desto aufwendiger der Bewerbungsprozess. In jedem Falle lohnt es sich, Studenten zu unterstützen. So kannst Du Dir die größten Talente frühzeitig sichern. Relevante Berufserfahrung ist auch für Studenten wirklich sehr wichtig und wird bei Bewerbungen nach dem Studium gern gesehen. Du erleichterst dem Studenten den Einstieg in das Berufsleben. Du erleichterst die Entscheidung für Dein Unternehmen nochmals erheblich, wenn Du einen Einstieg bereits vor Semesterbeginn ermöglichst. So stürzt das Semester-Chaos und die Einarbeitungsphase nicht gleichzeitig auf Deine Werkstudenten/innen ein. Erfahrungsgemäß sind zuverlässige Studenten, die auch nach dem Studium bei Dir im Unternehmen bleiben, eine Bereicherung für Dein Unternehmen. Ihr werdet es Euch gegenseitig danken.

2017-09-26T17:09:24+00:00